Carsten Fischer, Physiotherapeut und Heilpraktiker der Praxis Osteopathos in Hannover, erzählt uns etwas über seinen beruflichen als auch sportlichen Werdegang.

Interview geführt mit Carsten Fischer, Physiotherapeut, Osteopath D.O. und Geschäftsführer der Praxis Osteopathos in Hannover. Herr Fischer sorgt für Gesundheit und Wohlbefinden im Alltag. Außerdem ist er viel in Kontakt mit Spitzensportlern und war auch selbst im Leistungssport Leichtathletik tätig. Im Folgenden verrät er uns seine Vision von Gesundheit und seinen Weg zur Osteopathie.

Guten Tag Herr Fischer! Erzählen Sie uns etwas über ihren Weg zur Osteopathie! Sie waren zuerst einmal Leistungssportler? Was genau können wir uns darunter vorstellen und wie kam es dazu?

Guten Tag Frau Stocker. Zum Sport bin ich über meine Eltern gekommen, die mich schon sehr früh unterstützt hatten und es zeigt sich schon im Alter von 10 Jahren, dass ich Talent hatte. So kam es mit viel Fleiß zu ungezählten Niedersachsen-, Nordrhein- und Norddeutschen Meistertiteln. In den Jahren 1984-1988 kamen noch 4 Deutsche Meister mit den 4x400m Staffeln mit meinen Vereinen SV Union Groß Ilsede und LG Bayer Leverkusen dazu. Meine Spezialität war der 400m Hürden Lauf, wo ich ebenfalls einige Male in den Finals der Deutschen Meisterschaften stand, sowie 1991 auch internationaler Israelischer Meister war. Zudem Teilnahme an Europacup, Wettbewerben, Grand Prix Meetings etc.

Was hat Sie dann anschließend dazu bewegt, in die Physiotherapie bzw. später Osteopathie zu gehen?

Durch den vielen Sport und mein Talent kam ich schon früh in das Vergnügen von Masseuren betreut und behandelt zu werden. Ein schulisches Praktikum in der 8. Klasse half mir zudem früh den Entschluss zu fassen: Physiotherapie ist mein Beruf!

Was sind, Ihrer Meinung nach, die größten Unterschiede bzw. Zusammenhänge zwischen der Osteopathie und der Physiotherapie?  

In der Physiotherapie wird vieles nur funktionell vom Bewegungsapparat aus betrachtet. Als ich 1994 die Osteopathie Ausbildung richtig begann, sagte unser Direktor: „Wenn man nur einen Hammer hat, ist jedes Problem ein Nagel.“ In der Osteopathie habe ich gelernt, viele Werkzeuge zu verwenden! Also die Mobilisation schlechter Beweglichkeit von Organen bei Einengungen von Blutgefäßen und Nerven. Die Zusammenhänge vom Schädel mit dem restlichen Körper habe ich erst in der Osteopathie richtig verstanden. Ebenso was es bedeutet, mit der Energie unseres Körpers zu arbeiten, wurde mir durch die Osteopathie und Chinesische Medizin zugänglich. Es macht unsere Arbeit sehr viel bunter und die Patienten finden sich mit sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern in meiner Praxis ein. Es macht so auch einfach mehr Spaß, als zum 500sten Mal eine Knie OP nachzubehandeln.

Was waren konkret die ersten Maßnahmen, die Sie ergriffen haben, um auf sich bekannt zu machen? Sei es als Sportler oder als Therapeut. 

Als Sportler kommt die Bekanntheit von selber. Ich musste halt möglichst als Erster ins Ziel kommen. Als Therapeut hatte ich viel Glück. Bei Bayer Leverkusen wurde 1990 der erste Physiotherapeut für die Profileichtathleten gesucht. Heide Rosendahl war für die Suche zuständig und sprach mich auf dem Sportplatz an. Ich kümmerte mich daraufhin einige Jahre um die Trainingsgruppe von Gerd Osenberg (damals der erfolgreichste Frauen Leichtathletik Trainer der Welt). Zu meinem großen Glück gehörten neben Athleten wie Carlo Thränhardt (Hochsprung), Tim Lobinger (Stabhochsprung), Ralf Jaros (Dreisprung), Linda Kisabaka (400/ 800m) auch Heike Henkel (Hochsprung) zu dieser Gruppe (Hallenweltrekordlerin, Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin und Weltsportlerin). Die Zusammenarbeit mit“ Osenberg und Henkel“ haben mir wichtige Türen geöffnet. Zudem waren diese Jahre sportlich und menschlich für mich sehr bereichernd und prägend.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf allgemein am besten?

Die absolute Vielfalt der Menschen, welche mit unterschiedlichen Problemen zu mir finden. Da ist jeder Tag spannend. Häufig höre ich: „Sie sind meine letzte Hoffnung, wenn Sie mir nicht helfen …“. Nicht bei jedem Patient*in klappt es, aber selbst dann habe ich immer auch noch ein Ass im Ärmel. Grundsätzlich schicke niemanden ohne Empfehlung weg.

Haben Sie einen bestimmten Fachbereich bzw. gibt es eine Spezialisierung bei Ihnen?

Meine Stärken sind sicherlich die viszerale und parietale Osteopathie unter Einbeziehung der Chinesischen Medizin. Dazu gehören Orthopädie, Chirurgie, HNO, Internistisches, Allgemeinmedizin und natürlich auch die Sportmedizin. Für Säuglings- und Kinderosteopathie habe ich zwei hoch qualifizierte Kollegen*in in meinem Team.

Sie waren auch sehr oft als Lehrbeauftragter unterwegs. Können Sie ein paar Erfahrungen aus dieser Zeit teilen und sind auch in Zukunft noch Seminare geplant?

Natürlich werde ich weiterhin als Dozent unterwegs sein und Physiotherapeuten, Heilpraktikern und Ärzten Einblicke in die Osteopathie lehren. Als Dozent habe ich 1987 das erste Mal vor einer Gruppe gestanden. Auch da hat die technische Entwicklung in all den Jahren einiges von mir abverlangt. Es fing mit handgeschriebenen Folien und Dia Bildern an und ist inzwischen so weit, dass Seminare als Hybrid Veranstaltung parallel online zu verfolgen sind. Aus einem Zeigestab zu Beginn sind Kameras, Bildschirme und Mikrofone geworden.

Ich habe gesehen, dass Sie 2013 eine Weiterbildung zu Chi Nei Tsang I – III gemacht haben? Wie läuft diese Behandlung ab und für welche Beschwerden eignet sich diese Therapie?

Nun in den Taoistischen Lehren sind sicher viele Ursprünge der traditionellen Chinesischen Medizin zu finden und in den alten Büchern sind Abbildungen, die heute unter der viszeralen Osteopathie als Neuigkeit verkauft werden. Auch Teile der Cranio-Sakral-Therapie sind hier begründet. Beim Chi Nei Tsang liegt der Mensch erst mal gemütlich auf dem Rücken und der gesamte Körper wird von oben beginnend durchgearbeitet. Überall, wo das Gewebe einen erhöhten Widerstand zeigt, wird mithilfe von Atemübungen und den Händen die Spannung balanciert. Insgesamt wird in erster Linie die Energie im Körper bewegt und wieder gleichmäßig verteilt. Dabei wird zunehmend Druck in die Tiefe des Körpers aufgebaut, aber immer mit Achtsamkeit und Respekt. Sagen wir mal so, es eignet sich für alle Krankheitsbilder und schließt weniges aus (z.B akute Tumorgeschehen, offene Wunden, akute Infekte, Kinder).

Welches Produkt, welche Nahrungsergänzung oder welches Ätherische Öl sollten wir, Ihrer Meinung nach, alle kennen bzw. zuhause haben?

Ich glaube, dass wir uns durch gute gesunde Ernährung vieles sparen können. Mit ätherischen Ölen habe ich leider nicht genug Erfahrung, um mich aus dem Fenster zu lehnen. Aber Vitamin C, D, B12 und K sollte jeder zu Hause haben und auch überprüfen, wie viel Unterstützung wir benötigen. Des Weiteren bin ich ein Freund von Globuli z. B. Nux vomica, Arnica oder auch Propolis.

Was wären Ihre Top-3-Tipps, um die Gesundheit der Menschen im Allgemeinen zu verbessern?

  • Zwischen 23.00 Uhr und 05.00Uhr schlafen, dann haben wir eine perfekte Regeneration für unsere Organuhr
  • 10.000 Schritte am Tag
  • Fleisch und Alkoholkonsum auf maximal 2 Tage pro Woche reduzieren
Meine Lebensweisheit: “Schlecht wird´s von alleine!”
Osteopath Carsten Fischer

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