Anja Scherret, Heilpraktikerin für Frauenheilkunde aus Berlin, spricht mit uns über Endometriose und den weiblichen Zyklus im Alltag.

Humasana führt das Interview mit Anja Scherret, Heilpraktikerin aus Berlin. Von der Menstruation bis hin zur Menopause – Patientinnen mit den verschiedensten Beschwerden finden sich in Ihrer Praxis wieder. Im folgenden Interview möchten wir uns etwas genauer über Menstruationsbeschwerden im Alltag und ganz speziell die Endometriose unterhalten.  

Guten Tag Frau Scherret! Können Sie uns vielleicht erstmal allgemein etwas über Ihren beruflichen Werdegang erzählen?  

Zuerst studierte ich Literaturwissenschaften und Geschichte in Berlin, merkte allerdings  recht schnell, dass mir das zu theoretisch ist und ich mich in der Universitäts-Welt nicht wirklich wohlfühle. Als ich dann meinen jetzigen Mann kennenlernte, der damals eine  Ausbildung zum Heilpraktiker machte, öffnete sich für mich eine neue Tür im Leben. Von ihm  habe ich immer sehr viel über den Unterricht und die behandelten Themen gehört. Es hat mich fasziniert, dass Thematiken wie Wachstum, Heilung, Persönlichkeit, Biographie so thematisiert werden und kurzerhand begann ich dann auch selbst meine Ausbildung zur Heilpraktikerin.

Was hat Sie dazu bewegt, sich auf die Frauenheilkunde zu spezialisieren?

Durch meine eigenen Menstruationsprobleme und mein Interesse an Wechseljahresbeschwerden, Kinderwunsch etc. bin ich immer mehr speziell zur Frauengesundheit gekommen und fühlte mich dann in diesem Fachbereich sehr wohl. Frau sein bzw. die Weiblichkeit faszinierte mich einfach und ich wollte wissen, wie Frauen zyklisch und seelisch funktionieren. Meiner Meinung nach gibt es noch sehr viele Lücken zu den frauengesundheitlichen Beschwerden und ich möchte diese Lücken gerne schließen, indem ich zum einen mehr auf die Thematik aufmerksam mache und zum anderen den betroffenen Frauen bei Ihren Beschwerden helfe.

Was sind die häufigsten Beschwerden, mit denen Ihre Patienten zu Ihnen  kommen? 

Generell Menstruationsbeschwerden, Wechseljahrbeschwerden, Kinderwunsch, Endometriose, Myome, Zysten etc.  

Wie genau funktioniert denn eigentlich der Zyklus einer Frau? Welche Phasen  gibt es im Zyklus?  

Frauen funktionieren zyklisch, sprich die Energie der Frau baut sich auf und auch wieder ab, wie bei einem Baum, der zuerst im Frühling austreibt, Früchte bekommt und dann im Herbst seine Blätter wieder abwirft und in den Winterschlaf geht. Frauenenergie besteht ebenfalls aus einer Wachstumsphase und einer Regenerationsphase und für das Wohlbefinden der Frau ist es eben enorm wichtig, auch diese Regenerationsphase bewusst anzunehmen. Unsere Welt ist allerdings nicht auf eine weibliche Regenerationsphase ausgerichtet und somit fällt dies den meisten extrem schwer. Wenn man dies auf den Zyklus überträgt, gibt uns Mutter Natur eigentlich vor, wann die Regenerationsphase stattfinden sollte.

Mit dem 1. Tag  der Blutung beginnt der Zyklus, die Hormone befinden sich gerade auf dem Nullstand. Anschließend bauen sich die Hormone auf und erreichen ihren Höhepunkt am Tag des Eisprunges. In dieser Zeit fühlen wir Frauen uns gut, sind voller Energie,  haben vermehrt sexuelle Lust und sind energisch. Nach dem Eisprung bauen sich die Hormone allerdings ab und die sogenannte PMS-Phase beginnt. Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Kopfschmerzen – you name it. Nach der PMS-Phase lässt der Körper los und blutet ab. Und in diesem Zeitraum sollte dann auch die Regeneration stattfinden, da eben die Hormone einen Tiefstand erreichen und durch das Bluten auch viele Nährstoffe verloren gehen, die  so nicht immer aufgeholt werden. Die Regenerationsphase eignet sich auch ideal, um eine Psychohygiene zu betreiben.  

Endometriose – was genau steckt dahinter und welche Symptome treten auf?

Endometriose bedeutet, dass Gebärmutterschleimhaut an Orten im Körper wuchert, wo sie eigentlich nicht hingehört. Die Zellen könnten dann beispielsweise im Darm vorkommen oder an den Eierstöcken, aber auch an ganz anderen Stellen wie  beispielsweise im Auge. Je mehr Forschung in diesem Bereich betrieben wird, desto verrücktere Sachen hört man. Jedenfalls baut sich die Gebärmutterschleimhaut während des Zyklus auf und blutet dann anschließend auch ab und bei einer  Endometriose passiert genau das Gleiche nur eben nicht nur in der Gebärmutter.  Damit verbunden sind enorme Schmerzen in den verschiedensten Körperbereichen und auch andere Symptomatiken wie beispielsweise das Reizdarmsyndrom.

Leider befinden wir uns auch heutzutage noch auf einem Stand, wo Endometriose oft nicht diagnostiziert wird. Oft werden Frauen weggeschickt mit der Aussage, dass  sie doch zu empfindlich seien und auch in unserer Gesellschaft wird gelehrt, dass  Menstruationsschmerzen nun mal die Hürde einer Frau sind und wir sie aushalten  müssen. Es kann gut und gerne bis zu 10 Jahre dauern, eine Endometriose diagnostiziert zu bekommen. Ich finde das persönlich extrem schade, denn solch  schmerzhafte Erfahrungen mit seiner Gebärmutter und seiner Menstruation wirken sich auch auf die Psyche und das Schätzen der Weiblichkeit aus. Eine gesunde Psyche ist meiner Meinung nach elementar für ein weibliches Wohlbefinden und auch für das verhindern bzw. lindern von Endometriose. Bei viel Stress oder einer psychischen Dysbalance steigt der Cortisolspiegel an und dieser steht unmittelbar im Zusammenhang mit dem hormonellen Gleichgewicht. Dadurch kommt es oft zu einer sog. Östrogendominanz, also zu zu viel Östrogen im Körper. Die Folge ist eine stark aufgebaute Gebärmutterschleimhaut bei allen Endometrioseherden . 

Wie sieht eine Therapie gegen Endometriose bei Ihnen aus? 

Generell besteht meine Therapie quasi aus drei Schritten könnte man sagen.  

  1. Ursachenuntersuchung + Psychosomatische Lösung- Ich schaue mir die Beschwerde, die Lebenssituation und das Stresslevel der Patientin an, um eine Ursache zu finden. Oft versteckt sich ein psychisches Trauma noch tief in der Patientin und dies versuche ich natürlich dann auch zu lösen, um  Entspannung sicherzustellen. Für die Entspannung meditiere ich mit den  Frauen oder gehe mit Ihnen in die Natur und führe wunderbare Achtsamkeitsübungen durch. Sie lernen die Stille auszuhalten und den Moment mit all ihren Sinnen wahrzunehmen und die Schönheit darin zu erkennen. In Studien ist es häufig belegt, dass ein achtsamer Aufenthalt in der Natur den Cortisol-Spiegel senkt. Um die starken Schmerzen zu lindern haben gezielte Schmerzhypnosen sehr gute Ergebnisse bei den Patientinnen erzielt. 
  2. Ernährungsberatung – Ernährung ist die Basis von Gesundheit. Viele ernähren sich zwar gesund, aber vergessen die Proteine und essen zu viel Kohlenhydrate. Die Ernährung beeinflusst den Blutzuckerspiegel, das Insulin und somit dann auch die Hormon-Bilanz. Des Weiteren haben viele  Endometriose-Patientinnen einen Nährstoffmangel und brauchen mehr Vitamin D, B12, C und E. Endometriose ist eine entzündliche Erkrankung und deshalb ist ein starkes Immunsystem sehr wichtig dabei. Zu einem starken Immunsystem gehört auch ein gesunder Darm und deshalb muss auch dieser wohltuend genährt werden. 
  3. Hormonuntersuchung – Ich untersuche durch einen Speicheltest die Hormone meiner Patientin und schau mir Cortisolspiegel, Testosteronspiegel, Östrogenspiegel und noch viele weitere an. Anschließend empfehle ich dann passende bioidentische oder pflanzliche Hormone, Nahrungsergänzungsmittel, Tees etc. .

Eine brisante Diskussion in der Arbeitswelt – Frauen mit Endometriose oder  starken Menstruationsbeschwerden sollten von der Arbeit (mit oder ohne  Krankmeldung) befreit werden? Wie stehen Sie als Fachfrau zur Diskussion?  Gerechtfertigt oder übertrieben?  

Ich stehe da total dahinter. Viele können sich nicht mal vorstellen, durch welche Schmerzen Frauen bei einer Endometriose oder auch bei Wechseljahresbeschwerden gehen. Es gibt Frauen, die bis zu 10 Schmerztabletten am Tag zu dieser Zeit nehmen und da kann eine Krankschreibung nur mehr als  gerechtfertigt sein. Deshalb finde ich es auch so wichtig, mehr und ganz offen darüber zu reden, damit die Menschen, die nicht an Endometriose und  Menstruationsbeschwerden leiden, verstehen, was dahintersteckt.

Was wären Ihre Top-3-Tipps, um besser mit Endometriose im Alltag  klarzukommen?  

  • Substituiere hochdosiert Magnesium, Vitamin D, Vitamin B und Vitamin C – Mache deine “Pause” – Gönne dir deine benötigte Entspannung und zwar nicht erst, wenn der Körper zusammenfällt und nicht mehr kann, sondern  ganz bewusst 
  • Versuch so viel pflanzliche Proteine wie möglich zu essen, um den Blutzuckerspiegel auszugleichen  

Gibt es vielleicht auch bestimmte Heilpflanzen, welche Sie besonders bei  Menstruationsbeschwerden oder Endometriose empfehlen? 

Ich bin definitiv ein Fan von Menstruationstees, die Frauenmantel, Schafgarbe und andere Heilpflanzen enthalten. Außerdem stehe ich auch hinter Mönchspfeffer. Da  empfiehlt sich allerdings eine professionelle Beratung, da viele Frauen Mönchspfeffer nicht vertragen.  

Sie sind ja ebenfalls Spezialistin der Homöopathie. Eignet sich die  Homöopathie zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden und was genau  passiert dabei hinter den Kulissen?  

Homöopathie empfehle ich begleitend bei einer Therapie gegen Menstruationsbeschwerden, allerdings natürlich konstitutionell – also quasi explizit angepasst an die Konstitution der individuellen Patientin und an das Krankheitsbild. .  

Wo kann man Sie finden, wenn man eine Beratung wünscht?

Ich habe eine Praxis in Berlin und bin dort vor Ort auffindbar, allerdings biete ich auch alle Therapien online an. Zuerst vereinbare ich immer ein kostenloses  Kennlerngespräch an und anschließend werden dann weitere Schritte besprochen.  Erreichbar bin ich über meine Webseite und über Instagram. Auf Instagram versuche  ich auch nochmal die Menschen aufzuklären und über Frauengesundheit mit Posts,  Storys und Reels zu informieren. Dort finden Sie mich unter dem Namen @anjascherret .

Anja Scherret, Heilpraktikerin für Endometriose

Neueste Artikel

Rita Walter, Ganzheitliche Gesundheitsberaterin aus Bayern, spricht mit uns über ihr basenüberschüssiges Ernährungskonzept mit essbaren Wildpflanzen.

Frau Walter möchte als ganzheitliche Ernährungsberaterin Mensch und Natur wieder näher zusammenbringen. Deshalb entwickelte sie ein “wildes Ernährungskonzept”, welches die Kraft verschiedener essbarer Wildpflanzen mit einer basenüberschüssigen Ernährung verbindet. Im folgenden Interview möchten wir uns genauer über die Vorteile dieses wilden Ernährungskonzepts unterhalten.

Ähnliche Artikel

Rita Walter, Ganzheitliche Gesundheitsberaterin aus Bayern, spricht mit uns über ihr basenüberschüssiges Ernährungskonzept mit essbaren Wildpflanzen.

Frau Walter möchte als ganzheitliche Ernährungsberaterin Mensch und Natur wieder näher zusammenbringen. Deshalb entwickelte sie ein “wildes Ernährungskonzept”, welches die Kraft verschiedener essbarer Wildpflanzen mit einer basenüberschüssigen Ernährung verbindet. Im folgenden Interview möchten wir uns genauer über die Vorteile dieses wilden Ernährungskonzepts unterhalten.